Kanada: Polizei nimmt verbliebene Demonstranten fest

Stand: 14.02.2022 05:47 Uhr

Etwa 30 Demonstranten harrten zuletzt noch auf der Ambassador-Brücke zwischen Kanada und den USA aus. Nun ist der Grenzübergang wieder geöffnet. Die Polizei nahm die letzten Blockierer fest.

Die Ambassador-Brücke zwischen den USA und Kanada ist wieder für den regulären Verkehr freigegeben. Die kanadische Polizei hatte am Sonntag damit begonnen, die verbliebenen Corona-Demonstranten an einem der wichtigsten Grenzübergänge zu den USA festzunehmen. Fernsehbilder zeigten, wie Beamte nach der Morgendämmerung einige Menschen auf der Ambassador-Brücke festsetzten. Zu dem Zeitpunkt befanden sich dort nur noch zwei Kleinlastwagen und weniger als ein Dutzend Demonstranten, die gegen Impfvorschriften und Corona-Beschränkungen protestierten.

Die Ambassador-Brücke verbindet Windsor in Kanada und Detroit in den USA. Über sie verläuft eine Transportroute, über die 25 Prozent des Handels zwischen beiden Ländern abgewickelt werden. Besonders betroffen von der Blockade waren Autobauer und -zulieferer. Auch in Ottawa und anderen Teilen Kanadas gab es Proteste.

Richter ordnete Ende der Blockade an

Am Freitag hatte ein kanadischer Richter angeordnet, die Blockade zu beenden. Am Samstag begann die Polizei mit der Räumung. Am späten Abend harrten noch etwa 180 Demonstranten bei frostigen Temperaturen nahe der Brücke aus. Die Polizei errichtete daraufhin Betonsperren, die auch nach der Räumung am Sonntag stehen blieben. Wann die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben wird, ist noch unklar.

Industrieminister François-Philippe Champagne kritisierte, die Blockaden träfen Handel und Hersteller, Familien, Arbeitnehmer und Geschäftswelt. Er sei froh über das Vorgehen der Polizei. “Diese Blockaden müssen aufhören”, so Champagne.

Kanadische Polizei löst Brückenblockade auf

tagesschau 05:30 Uhr, 14.2.2022

Proteste auch in anderen Teilen Kanadas

Auch im Westen des Landes behinderten Demonstranten den Grenzverkehr. Der Grenzübergang in Surrey in British Columbia sei aber nicht blockiert, betonten die Behörden. In den Provinzen Alberta und Manitoba blieben zwei Übergänge geschlossen. In der Hauptstadt Ottawa schwoll die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten nach Polizeiangaben auf rund 4000 an. Es kam zu zahlreichen Festnahmen, teilte die Polizei mit. Die Demonstranten hätten teils “aggressives Verhalten” gezeigt und Polizisten “überwältigt”. Es kam auch zu Gegenprotesten. In der Stadt haben Impfgegner seit Ende Januar ein Protestlager aufgeschlagen.

Premierminister Justin Trudeau sagte, die Grenzübergänge könnten und würden nicht geschlossen bleiben. “Alle Optionen liegen auf dem Tisch”, erklärte sein Büro. Einen Einsatz des Militärs hat Trudeau bislang abgelehnt.

Inspiration für Aktivisten im Ausland

Der Regierungschef von Ontario, Doug Ford, hatte wegen der Demonstranten am Freitag sogar den Notstand ausgerufen. Allen, die Straßen oder Brücken blockieren, könnten dadurch Strafen von 100.000 kanadischen Dollar und bis zu einem Jahr Haft drohen.

Die Aktionen der Lkw-Fahrer hatte aus Protest gegen die Impfpflicht bei Grenzübertritten begonnen, die Mitte Januar von Kanada und den USA eingeführt worden war. Ungeimpfte kanadische Lkw-Fahrer müssen demnach bei der Rückkehr aus den USA in eine 14-tägige Quarantäne, US-Fahrer ohne Impfung dürfen gar nicht ins Land.

Die Proteste der kanadischen Trucker inspirieren inzwischen weltweit Gegner der Corona-Maßnahmen. In Frankreich, Neuseeland, Österreich und weiteren Ländern fanden die selbsternannten “Freiheitskonvois” bereits Nachahmer.

Trucker-Proteste in Kanada: Grenzbrücke frei – Rufe nach Räumung auch in Ottawa

Antje Passenheim, ARD New York, zzt. Kanada, 14.2.2022 · 06:24 Uhr

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