Selenskyj im Bundestag: Den Schuss nicht gehört

Die angebliche Zeitenwende ist doch nur heiße Luft. Eigentlich wäre es geradezu eine eigene Feierstunde wert gewesen, dem ukrainischen Präsidenten aus der von russischen Invasionstruppen bedrohten Hauptstadt zu lauschen.

Denn Selenskyj spricht ja, wie auch deutsche Politiker nicht müde werden zu betonen, als Europäer. Er spricht auch als Opfer eines Zivilisationsbruchs. Und man muss für jeden Moment dankbar sein, den ein Ukrainer, sei es der Präsident oder eine Schwangere im Niemandsland, noch weiterlebt und Zeugnis ablegen kann.

Doch für das Bundestagspräsidium war diese Rede nur einer von vielen Tagesordnungspunkten. So ging denn auch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt zur Tagesordnung über: Geburtstagsgrüße und später noch Ermahnung zum korrekten Tragen der Maske.

Es ist diese Art und Form, die zeigt, dass sich allenfalls betroffenheitsrhetorisch bisher in Deutschland etwas geändert hat. Jedenfalls die politische Spitze steckt noch tief im alten Unschuldsmodus. Während Tausende Landsleute Flüchtlingen tatkräftig helfen, sich einige sogar in das Kriegsgebiet aufmachen, fehlt in der Volksvertretung jedes Gespür für diese Zeit, die Gefahr und die Bedeutung des Augenblicks.

Das lässt nichts Gutes ahnen für die kurzerhand abgegeben Milliardenversprechen. Gewiss, im Subventionieren und Abfedern hat man Erfahrung, das wird klappen. Aber Wehrfähigkeit und Versorgungssicherheit werden in einer solchen Blase nicht entstehen. Niemand will Schüsse hören. Aber in der Ukraine fallen sie. Im Parlament trat gleichsam eine lebende Zielscheibe von Putins Angriffskrieg auf. Man fragt sich besorgt: Wenn ihr diesen Schuss nicht hört, was hört ihr überhaupt?

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Selenskyj im Bundestag: Den Schuss nicht gehört

Travors